Trennungsschmerz

Wenn eine Ehe zerbricht, dann ist das immer schlimm – für alle. Die Freunde sind verunsichert, wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen und manche denken, sie müssten sich positionieren, weil die Zerrissenheit nur schwer auszuhalten ist. Für die Kinder, auch wenn sie erwachsen sind, zerbricht das Elternhaus – das sie (hoffentlich) mit Geborgenheit und Nestwärme verbinden. Und die Partner selbst stehen vor einem großen Scherbenhaufen und verstehen die Welt nicht mehr.

Gefühle vermischen sich – Hilflosigkeit, Schuld, Enttäuschung, Trauer, Leere. Aus diesen Gefühlen entsteht die Wut und diese Wut richtet sich gegen den Menschen, den man lange Zeit geliebt hat und den man jetzt für diese Gefühle verantwortlich macht. Unvorstellbar! Wie war das, damals als die Liebe anfing, als man vielleicht „ja“ zueinander gesagt hat vor dem Standesbeamten oder in der Kirche oder vielleicht auch einfach auf einer Parkbank oder dem Wohnzimmer-Sofa? Wie war das, als ein gemeinsames Kind auf die Welt kam? Diese Erinnerungen haben ihre Macht verloren – sie können nicht mehr ausgleichen, was jetzt unerträglich scheint.

Wann fing es an, anders zu werden? Auf diese Frage hat man keine Antwort – man weiß nur sicher, dass der andere Schuld hat….

Aber wer ist denn dafür verantwortlich, wenn ich mich hilflos fühle? Ja, da versteht der/die andere einfach nicht und ich weiß gar nicht wie ich mich ausdrücken oder verhalten soll, damit er/sie endlich kapiert, was da los ist. Das macht so wütend! Und in der Verzweiflung und Wut über die eigene Hilflosigkeit fliegt dann schon auch mal ein Teller an die Wand. Und doch: wir sind selbst verantwortlich für die Hilflosigkeit und dafür, wie wir damit umgehen. Manchmal wäre schon viel gewonnen, wenn wir sagen könnten, dass wir uns hilflos fühlen, dass wir gar nicht mehr wissen, wie wir uns ausdrücken oder verhalten sollen – dass wir das Gefühl haben, wir können es nicht richtig machen – dass sich der Gedanke aufdrängt, nicht in Ordnung zu sein, so wie man ist. In der Hitze des Gefechts gelingt das oft nicht.

Wer ist dafür verantwortlich, wenn ich enttäuscht bin? Enttäuscht, weil der/die andere nicht tut, was ich mir wünsche – nicht sagt, was ich so gerne hören würde – eine Verabredung nicht einhält mit einer fadenscheinigen Begründung. Das macht wütend. Habe ich vor der Wut gesagt, dass ich mich ungeliebt fühle? Dass ich mich nicht geachtet und gesehen fühle? Dass ich das Gefühl habe, nicht wichtig zu sein? Dass mich diese Gedanken verletzen? Warum fällt es uns so schwer, zu sehen, dass das „enttäuschende Verhalten“ eines anderen Menschen nicht uns, sondern eben diesen anderen Menschen „entwertet“. Der eigene (Selbst)Wert bleibt – ich bin wertvoll, egal was Du sagst oder tust.

Trauer und Leere sind die Gefühle, bei denen uns meistens bewusst ist, dass wir uns selbst darum kümmern müssen. Dass wir gut für uns sorgen sollten, die Trauer annehmen. Aber auch hier gilt: Nicht der/die andere macht uns traurig, sondern ein Zustand oder ein Ereignis. Wir sagen viel zu selten, dass wir traurig sind, weil kein Gespräch möglich ist – dass wir traurig sind, dass eine wichtige und über weite Strecken auch schöne, gemeinsame Zeit zu Ende geht – dass es kaum mehr Gemeinsamkeiten gibt…. Wir sagen in vorwurfsvoller Haltung „Du machst mich traurig“ und geben damit die Verantwortung ab und machen uns selbst zum Opfer (das gilt übrigens auch für „Du machst mich glücklich“).

Kaum einer der Vorwürfe, die wir uns so vor den Latz knallen, würde einer Überprüfung standhalten:

Du machst mich hilflos? – Nein – ich fühle mich hilflos

Du enttäuschst mich? – Nein – ich bin enttäuscht

Du machst mich unwichtig? – Nein – ich fühle mich nicht wichtig

Du machst mich unglücklich? – Nein – ich bin unglücklich

Diese Vorwürfe haben gemeinsam, dass sie uns zum Opfer machen und nicht mehr in der Handlungsfähigkeit sind. Das macht Wut. Und die Wut war noch nie hilfreich in der Kommunikation.

Die Wut lässt uns vergessen, dass wir immer noch für jedes Wort, das wir sagen verantwortlich sind und auch für die Konsequenzen, die aus dem Gesagten entstehen. Die Wut sucht den Ausgleich für die eigene Verletzung – dadurch wird eine konstruktive Auseinandersetzung verhindert. Zurück bleibt oft ein Scherbenhaufen, der nicht mehr zu kitten ist – auch für das Umfeld.

Freunde, die sich positionieren, befeuern oft diese Wut – hilfreich wäre den Schmerz  auszuhalten und wenn möglich, auch eine andere Sichtweise zu vermitteln und zu relativieren.

 

 

 

 

 

 

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