Gefühle zulassen und annehmen

Manchmal möchte ich es einfach nicht haben, dieses blöde Gefühl. Es soll weg gehen, mich in Ruhe lassen. Mit aller Macht kämpfe ich dagegen und je mehr ich dagegen kämpfe, desto größer wird es. Mein Kampf gibt diesem Gefühl Macht, macht es riesig und dominant – schließlich überlagert es alles und wird bedrohlich.

Aber was will denn diese Wut, diese Angst, diese Trauer, oder …? Alle Gefühle wollen gesehen und angenommen werden.

Das fällt uns so leicht, wenn wir gerade voller Liebe sind. Wir konzentrieren uns auf diese Liebe und sie wird groß und mächtig und es gibt ganz wenig, was uns davon abhalten kann, jeden Menschen zu lieben und einfach nur glückselig zu sein.

Wenn jetzt aber die Angst daherkommt und wir uns auf die Angst konzentrieren und sie weg haben wollen? Wir konzentrieren uns auf die Angst und sie wird auch groß und mächtig und es gibt nicht mehr viel was, uns da rausholen kann.

Oder die Wut, wir wollen sie los werden und steigern uns dabei erst so richtig hinein. Und schließlich müssen wir einfach mal unsere Fäuste (hoffentlich nur) ins Kissen hauen.

Wenn ich jetzt aber zur Kenntnis nehme, dass da eine Wut oder eine Angst ist und mir vielleicht sogar denken kann, dass dieses Gefühl seine Berechtigung hat und anerkenne, dass dieses Gefühl jetzt da ist, dann kann ich vielleicht einen Schritt weiter gehen und sehen, dass da ja nicht nur dieses eine Gefühl da ist. Dass mir zwar XY Angst macht und dass das durchaus auch berechtigt ist, aber gleichzeitig habe ich noch viele andere Gefühle, wie die Liebe zu den Kindern oder dem Partner oder zu mir selbst…, und die Freude auf ….., und vielleicht auch ein Ärger über….., Zuversicht, Vertrauen und, und, und.

Wenn ich in meiner Angst oder in meiner Wut auch noch wahrnehmen kann, dass ich nicht nur Angst bin, nicht nur Wut oder was auch immer, dann ist zwar nicht weg, was ich weg haben möchte, aber es ist kleiner, es relativiert sich – ordnet sich in eine Reihe von Gefühlen ein und hat dort seinen Platz.

Leider gilt das oft auch für die glückseligen Gefühle, weil wir sie unbedingt halten wollen, gehen sie oft weg. Wir nehmen nämlich im Moment des „Festhaltenwollens“ die Angst vor dem Verlust wahr und die relativiert dann die Glückseligkeit.

Gefühle da sein lassen, anerkennen, nicht bewerten – alle Gefühle haben ihre Berechtigung und dürfen sein. Nicht aufbauschen, nicht reinsteigern, nicht unterdrücken. Wieder einmal gilt: Anerkennen, was ist.

4 Kommentare

  1. Es ist ein erster Schritt, das Gefühl anzunehmen, ja, nicht zu flüchten oder es zu bekämpfen . Aber ohne den zweiten Schritt wird man letztlich doch wieder im alten Muster der Flucht oder des Bekämpfens bleiben oder versuchen, sich daran zu gewöhnen, damit zu leben. Gefühle wie Wut oder Angst wollen nicht nur in einem ersten Schritt angenommen, sondern auch in einem zweiten Schritt verwandelt werden in eine Änderung meines Verhaltens. Gefühle wie Angst oder Wut haben einen Sinn. Und lösen sich auf in Erfüllung ihres Sinns. Letztlich sehnen wir uns alle ja danach, frei zu sein von Wut oder Ängsten. Dazu müssen wir diesen Gefühlen erstens ihre Berechtigung zugestehen UND zweitens den ihnen innewohnenden Sinn erfüllen.

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  2. Ooops, jetzt muss ich mir für den nächsten Beitrag was Neues einfallen lassen ;-). Ich gebe Dir vollkommen recht, wir tun schon gut daran zu schauen, wovor warnt die Angst, was will die Wut wirklich – dennoch geht es ja erstmal darum den Gefühlen nicht zu viel Macht zu geben und sie dennoch zu Akzeptieren. Ein Leben vollkommen frei von Wut oder Angst stellt man sich zwar ganz nett vor, aber ich persönlich denke nicht, dass es möglich ist. Ich für mich bin schon dankbar, dass deutlich weniger Angst und deutlich weniger Wut in mir sind, was aber z.B. auch daran liegt, dass ich manche Berichterstattung gezielt meide. Sich selbst mit seiner Angst und mit seiner Wut anzunehmen und zu lieben wäre für mich eher das Ziel.

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    1. Es geht nicht darum, keine Angst oder Wut mehr zu spüren, sondern darum, den richtigen Nutzen aus ihne zu ziehen. Ich würde sagen, ein Leben ohne chronische, permanente Ängste oder dauerhaftem Groll ist möglich -indem ich die Wut und die Ängste immer wieder aufs Neue nutze und verwandele in ein besser an die Realität angepasstes Verhalten

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