Plädoyer für die Kinder

Schade, dass sich Paare manchmal so entzweien, dass kein vernünftiges Gespräch mehr möglich ist. Was einmal die große Liebe war, wird oft zu einem hässlichen Rosenkrieg und wenn dann auch noch gemeinsame Kinder da sind, werden nicht selten sie zu den Leidtragenden.

Ich frage mich, warum es so schwer ist, eine Beziehung, die einst von Liebe geprägt war, mit Respekt und Achtung zu beenden.  Die gemeinsamen Kinder werden das Paar immer verbinden, auch wenn beide vielleicht lange schon in einer anderen Beziehung leben.

Kinder sind genetisch zu 50 % Mama und zu 50 % Papa und verachte ich die Mutter oder den Vater, dann verachte ich auch 50 % des Kindes. Davon abgesehen sind Kinder gegenüber ihren Eltern immer loyal und für Kinder gehören die Eltern immer zusammen. Wenn jetzt einer auf den anderen schimpft, dann bringt das Kinder in einen Konflikt, der oft furchtbare Folgen hat.

Mütter, die den Vater der Kinder nur noch als „Erzeuger“ bezeichnen und damit Ihre Verachtung kundtun, vermitteln den Kindern das Gefühl, nicht in Ordnung zu sein – denn wenn der Vater nicht in Ordnung ist, dann ist auch ein Teil des Kindes nicht in Ordnung und Kinder spüren das natürlich.

Der Elternteil, der das Gefühl hat, dass er mit den Kindern im Stich gelassen wurde und nun ganz allein mit der Erziehung und dem Alltag fertig werden muss, sollte sich vor Augen führen, wie es wohl sein muss, plötzlich allein in einer fremden Wohnung mit neuen Möbeln und ohne Kinder zu sitzen. Es ist schwer – für beide Teile. Und verhärtete Fronten machen es nicht leichter.

Eine 14-jährige Klientin sagte in meiner Praxis: Wenn es mich nicht gäbe, dann müssten meine Eltern nicht so streiten (Streit um den Unterhalt) – es wäre besser, ich wäre tot. Ich bin schuld, dass meine Eltern sich streiten – einfach, weil es mich gibt. Das zerreißt einem das Herz. Jetzt schlage ich mich damit herum, weil der Vater meint, die Mutter müsste meine Rechnung bezahlen und umgekehrt. Ist es das wirklich wert? Wie hoch ist der Preis für den Seelenfrieden eines Kindes? Wenn man das anspricht, ist immer der andere schuld – nein, ich würde mich ja vertragen, wenn…… Aus Liebe zu diesem Mädchen verzichte ich auf mein Honorar.

9 von 10 Klienten, die zu mir kommen, haben Eltern, die sich getrennt haben. Und fast alle sagen, dass sie die Trennung der Eltern als traumatisch erlebt haben und im erwachsenen Alter fangen sie an, dieses Drama aufzuarbeiten. Dabei hätten es die Eltern in der Hand. Eine Trennung ist nicht leicht für die Kinder, aber wir könnten ihnen vormachen, wie es respektvoll geht – dann wären die Kinder weniger belastet und hätten als Erwachsene auch für Trennungen eine gute Strategie.

All diese Eltern, die offensichtlich nicht wissen, was sie ihren Kindern antun, möchte ich sagen: Es ist Eure Verantwortung. Jeder muss bei sich selbst anfangen. Nicht überlegen, was der andere Teil tun müsste, sondern, was man selbst tun kann – damit der Respekt bleibt, wenn die Liebe gegangen ist.

Irgendwann habt Ihr „ja“ zueinander gesagt – sonst wären keine Kinder da. Irgendwann hat dieser Mensch Euer Herz gewonnen und Ihr wurdet Eltern. Und vermutlich gab es viele Verletzungen, die dann schließlich zur Trennung geführt haben. Und jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Zu einer Trennung gehören genauso 2, wie zur Partnerschaft und zur Elternschaft. Dieser Vater oder diese Mutter ist genau richtig für diese Kinder – die Kinder wären nicht diese Kinder mit einem anderen Vater oder einer anderen Mutter.

Wenn man seine Kinder zu 100 % liebt, dann achtet man auch den anderen Elternteil und man ist jeden Tag dankbar, dass es diese Verbindung gab, aus der so wundervolle Kinder hervorgegangen sind.

 

Bild: Fotolia, Urheber: Prazis Images

 

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