Frühkindliches Trauma

Als Hypnotherapeutin ist es mir vertraut, dass in einer induzierten Trance das Tor zum Unbewussten offen ist und wir in einer vertrauensvollen Atmosphäre Veränderungen erreichen können. Milton Erickson soll einmal gesagt haben: „es ist nie zu spät, eine gute Kindheit gehabt zu haben“ – man kann sie imaginieren und dadurch eine „alternative Realität“ schaffen. Positives Kopfkino – das kann sehr heilsam sein.

Gleichzeitig stelle ich fest, dass wir wohl alle mehr oder weniger dazu neigen, in einer Negativ-Trance verhaftet zu bleiben. Wir sind dann so auf unsere Glaubenssätze fokussiert, dass wir sie im Unbewussten unaufhörlich verstärken und oft stellen wir uns auch noch sehr bildhaft vor, wie das Scheitern dann aussieht. Auch eine „alternative Realität“, die sich durch die Erwartung dann auch häufig erfüllt. Negatives Kopfkino mit Folgen.

Frühkindliche Traumata wirken womöglich unser ganzes Leben lang:

Wenn wir – womöglich schon als Säugling und aus welchen Gründen auch immer – die Erfahrung gemacht haben, dass wir zu kurz kommen, dass uns die lebensnotwendige Zuwendung versagt blieb haben wir wirklich eine „Todesangst“ durchgemacht. Denn für einen Säugling ist es eine existenzielle Bedrohung, wenn er einen Mangel an körperlicher Nähe, Nahrung und/oder Liebe erfährt. Babys, die von der Mutter getrennt werden (Brutkasten, Krankheit, Adoption u.a.) oder eine unzuverlässige Versorgung erfahren müssen haben Angst, dass sie das nicht überleben.

Es entstehen die ersten und wohl ältesten Zweifel an uns selbst – ohne Worte, weil wir ja noch in der wortlosen Phase sind – wir denken in Bildern, aber in Worte gefasst würde das ungefähr so klingen:

  • ich bin nicht gut genug
  • ich überfordere die Mama durch meine Bedürfnisse
  • ich muss mich zurücknehmen

Daraus folgen Glaubenssätze wie:

  • ich kann mich auf andere nicht verlassen, ich muss selbst für mein Überleben sorgen
  • wenn ich schwach, krank, hilflos oder bedürftig bin passiert eine Katastrophe

Die existentielle Angst führt dazu, dass wir „müssen“ – immer ein bisschen mehr, als andere. Wir gewöhnen uns an, unsere Bedürfnisse zurückzunehmen, zu unterdrücken. Was natürlich nicht bedeutet, dass sie weg sind.

Schon als kleines Kind lernen wir zu manipulieren, um so doch noch Erfüllung zu finden. Wir tun so, als wären wir brave Kinder, immer hilfreich, immer wohl erzogen, manchmal machtvoll und erhalten so was wir brauchen.

Damit stecken wir dann von klein auf in einer grenzenlosen Überforderung und gehen auch als Erwachsene so mit uns um. Was uns als kleines Kind angetan wurde, tun wir uns nun selbst an – der Gedanke „ich muss ….“ ist mächtig. Wir sind bestrebt, Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu vermeiden, wir erlauben uns keine Schwäche und dürfen nie wieder die Kontrolle verlieren. Unklarheit, Untätigkeit, Nichtwissen sind bedrohlich – wir kämpfen um unsere Existenz.

Und dieses ständige Gefühl, dass wir nicht genug bekommen, kann dann durchaus auch in die Sucht führen.

Ich spreche hier nicht von „Ausnahmefällen“ in meiner Praxis – nein, in unterschiedlichem Ausmaß haben sehr viele von uns so frühkindliche Traumata erfahren und je nachdem, wie die Kindheit dann verlaufen ist, sind die Folgen mehr oder weniger dramatisch.

Manchmal genügen Entspannungstechniken oder Achtsamkeitsübungen und manchmal ist es notwendig, dem Kind in uns zu vermitteln, dass es überlebt hat, dass es nicht mehr notwendig ist, um das Überleben zu kämpfen, weil die Bedrohung vorbei ist.

Man kann dieses innere Kind retten nach der Methode von Gabriele Kahn, in Hypnose befreien oder in einer Aufstellung integrieren. Wie und wodurch das innere Kind geheilt wird, ist nicht so wichtig. Wichtig ist die Wirkung, die Erfahrung, dass wir viel mehr Lebensenergie haben, wenn die inneren Kinder gut versorgt sind.

 

 

Foto: fotolia.de / mulderphoto

 

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s