Verständnis und Liebe…..

Heute habe ich in einem Forum einen Beitrag gelesen, in dem von einem Betroffenen ein Mangel an Verständnis für Menschen mit Depressionen beklagt wurde.

Vielleicht kann man aber, wenn man eine depressive Episode durchlebt, gar nicht wahrnehmen, wie sehr die Menschen, die einen lieben auch mit einem leiden. Für das Umfeld ist es eine große Herausforderung, es auszuhalten, dass der geliebte Mensch in diesem Loch sitzt. Als Angehörige/r oder Partner/in wird man mit der eigenen Hilflosigkeit konfrontiert und empfindet vielleicht auch einen Mangel an Verständnis.

Es ist schwierig, in so einer Situation für sich klar zu sehen, dass niemand für die eigenen Gefühle verantwortlich ist, außer wir selbst.

Wenn ich depressiv bin, dann bin ich nicht Opfer, sondern für mich verantwortlich, dafür, mir Hilfe zu holen, gut für mich zu sorgen und gut auf meine Bedürfnisse zu achten. Niemand muss mir die Hilfe ungefragt aufdrängen, niemand kann mir den Antrieb zurück geben und niemand kann die Freudlosigkeit ins Gegenteil verwandeln, außer ich selbst.

Bin ich Angehörige/r oder Partner/in geht es auch darum, gut für mich zu sorgen. Mein Mitgefühl, meine Hilflosigkeit, meine Wut, meine Geduld, meine Ungeduld, meine Liebe – diese Gefühle sind meine Gefühle und für diese Gefühle bin ich zuständig.  Nur ich kann diese Gefühle versorgen und auf meine Bedürfnisse achtgeben. Auch Angehörige sind nicht Opfer der Erkrankung des geliebten Menschen.

Das gilt im übrigen nicht nur für Depressionen, das gilt wohl für alle Krankheiten. Nicht nur die Erkrankten verzichten und müssen aushalten.

Wir alle wollen doch, dass es uns gut geht, wir alle wollen glücklich und gesund sein. Das verbindet uns alle. Vielleicht wäre es gut, wenn wir mehr Verständnis fordern, zu überprüfen, wieviel Verständnis wir haben.

Es heißt, man soll über niemanden urteilen, in dessen Schuhen man nicht gegangen ist. Da ist schon was dran.

Vielleicht ist Byron Katies Ansatz hilfreich. Wenn jemand sagt „die Anderen sollten mehr Verständnis haben“, dann hinterfragt Byron Katie „kannst Du Dir wirklich sicher sein, dass die Anderen mehr Verständnis haben sollten?“ und lässt schließlich den Satz umdrehen, dann wird daraus „Ich sollte mehr Verständnis haben“.

 

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