Advent, Advent – Weihnachten steht vor der Tür.

Bin ja immer noch nicht so ganz angekommen in der vorweihnachtlichen Besinnlichkeit. Ich habe das Gefühl, dass da ein November fehlt…. Gefühlt, eben noch Oktober und schon laufen Nikoläuse und Weihnachtsmänner durch die Stadt und überall Jingle Bells und X-mas-Gedöns.

Wir bereiten uns also auf Weihnachten vor. Das Fest der Liebe. Weihnachten…..

Wir erwarten leuchtende Kinderaugen, perfekte Menüs, die Erfüllung aller Wünsche und ein friedvolles, liebevolles Miteinander.  Wir erwarten die perfekte Harmonie. Was wir bekommen ist im Verhältnis zu den Erwartungen dann allzu oft ein Desaster. Allzu oft Tränen, angebrannte Gans oder geplatzte Würste und Wünsche, Streit und Türen knallen.

Bei so hohen Erwartungen ist natürlich der Druck enorm groß. Druck für die Köchinnen und Köche, dass nichts schief gehen darf, Druck für die Kinder „brav sein, sonst bringt das Christkind bzw. der Weihnahtsmann nichts“, Druck für alle „halte Dich mit Deiner Meinung zurück, sonst gibt’s nur Streit“ und Streit will keiner an Weihnachten. So wie sich übrigens keine Frau ein Haushaltsgerät wünscht – aber viele eines bekommen….. ;-). Gleichberechtigung ist dann, wenn auch Männer ein Dampfbügeleisen bekommen und Frauen die neue Super-Duper-Bohrmaschine, bei der auch Beton zu Butter wird.

Was wäre eigentlich, wenn man Druck rausnehmen könnte? Wir bereiten alle gemeinsam ein schönes Essen zu – wenns nix wird, dann bestellen wir was …. und wir üben uns in der hohen Kunst der gepflegten kontroversen Diskussion …. und die Kinder dürfen einfach auch an Weihnachten Kinder sein – ungeduldig und nervtötend. Eventuell könnte man ja mal drüber sprechen, was an Weihnachten eigentlich  gefeiert wird – das ist auch möglich, wenn man nicht sehr gläubig ist. Denn auch für Atheisten gilt: Das Christentum hat unsere Kultur geprägt und wir sind alle sehr davon beeinflusst in unseren Werten und in unseren moralischen Ansprüchen.

Würde das Verständnis für die ältere Generation nicht größer, wenn man sich vor Augen führt, wie wohl dieses Leben verlaufen ist? Dass es vielleicht einen Grund dafür gibt, dass alte Menschen manchmal verbittert, unleidig, geizig, anspruchsvoll sind? Und wäre es nicht wunderbar, wenn sich die älteren daran erinnerten, dass sie auch mal jung waren und wenn sie der „Jugend“ zugeständen, selbst ihre Erfahrungen zu machen?

Diese hohen Erwartungen – sind eigentlich doch der Wunsch, dass die anderen so funktionieren, wie es für einen selbst schön wäre. Dass das dann oft in die Hosen geht, ist logisch. Wie wäre es, wenn wir uns dieses Jahr auch das einmal bewusst machen und dann die scheinbare Katastrophe vielleicht sogar mit einem Schmunzeln zur Kenntnis nehmen. Eines ist nämlich sicher: Am 24. Dezember steht keiner von uns morgens auf und denkt sich „heute versau ich den anderen mal so richtig den Weihnachtsabend“. Jeder von uns hätte es gerne schön — und das nicht nur an Weihnachten, aber da ganz besonders.

Auch an Weihnachten ist jeder für sich selbst verantwortlich und dafür, dass man sich wohl fühlt. Auch an Weihnachten sind weder der Partner oder die Partnerin, noch die (vielleicht schon erwachsenen) Kinder für das eigene Wohlbefinden zuständig. Es sind auch nicht die Schwiegereltern, die uns Weihnachten versauen, eigentlich sind wir das meistens selbst und wenn jeder gut für sich und seine eigenen Bedürfnisse sorgt, dann ist für alle gut gesorgt. Wenn ich dann den alten Herrn, der immer so nervt, einlade, dann weiß ich, dass ich das nicht für ihn tue, sondern für mich. Weil ich nicht im Frieden wäre, wenn ich das nicht tun würde. Und dann erwarte ich nicht, dass er dankbar ist und sich so benimmt, wie ich mir das vorstelle. Und ich gestehe mir zu, dass ich froh bin, wenn er dann wieder geht 😉

Und so wünsche ich Euch allen eine besinnliche letzte Adventswoche und ein friedvolles Weihnachtsfest.

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