Kämpfen?

Ich würde gerne zunächst mal aus dem Duden zitieren:

  • als Soldat/Soldatin an einem Krieg teilnehmen, an Feindseligkeiten teilnehmen, [sich] bekriegen, Blut vergießen, eine blutige/kriegerische Auseinandersetzung führen, einen Kampf führen, sich einen Kampf liefern, sich ein Gefecht/eine Schlacht liefern, Krieg führen;

Das also raten wir Menschen, wenn wir ihnen sagen, sie sollen „kämpfen“. Ist Kämpfen wirklich ein Weg, um zu innerem Frieden zu kommen, um eine Krankheit zu „besiegen“ oder gar den „inneren Schweinehund“, kämpfen um Weisheit und Erkenntnis, kämpfen gegen Antriebsschwäche oder Müdigkeit?

Bei einem Kampf gibt es eigentlich immer Verletzte und wenn wir gegen uns selbst kämpfen, verletzen wir uns wohl auch selbst. Denn Krankheiten, der innere Schweinehund, unsere Gedanken und unsere Gefühle – dass sind doch Teile von uns! Dagegen zu Kämpfen, bedeutet, wir verletzen uns noch zusätzlich. Und dann sind wir wieder beim Annehmen.

Ich denke, nichts von alledem, wogegen wir so verzweifelt ankämpfen, ist wirklich FEIND. Wenn ich krank bin, dann brauche ich liebevolle Fürsorge und keinen Kampf. Gerade bei Krebs hört man ja so oft, man muss gegen die Krankheit kämpfen und wenn es gut ausgeht, dann hat man den Krebs besiegt. Ist das wirklich so? Ist es nicht wesentlich freundlicher, den Krebs anzunehmen (wenn er jetzt schon mal da ist). Annehmen und damit umgehen. Ja, da ist unser Körper plötzlich nicht mehr in der Lage, Zellen auszusortieren, die „bösartig“ sind. Was braucht der Körper, dass er wieder mit diesen Zellen zurechtkommt? Liebe, Mitgefühl, Geborgenheit und eine Therapie oder eine OP – das sollten wir ihm dann geben. Liebevolle Selbstfürsorge …..

Gegen den „inneren Schweinehund“ ankämpfen – ein Kampf, bei dem es keinen Sieger geben wird. Nur Verletzungen. Es bedeutet, dass wir unsere Bedürfnisse ignorieren, anstatt Sie zu erforschen und zu versorgen. Das Bedürfnis nach einer Zigarette kann auch das Bedürnis nach einer kurzen Pause sein, die Gier nach Schokolade kann auch der Wunsch nach Liebe sein, die Lust auf Alkohol kann das Bedürfnis nach ein paar unbeschwerten, leichten Momenten sein.

Ich muss jetzt endlich was für mich tun, denn Schweinehund besiegen und Joggen gehen – jeden Tag, mindestens eine halbe Stunde. Was für eine kämpferische Ansage und wir wissen alle, wie das ausgeht, oder? Auf dem Sofa vor dem Fernseher denken wir diesen Satz und schimpfen mit uns, dass wir schon wieder den *piep* nicht hochkriegen. Mhm. Das Bedürfnis nach Feierabend, nach Nichtstun, nach Berieselnlassen ignorieren wir – wir stampfen einfach drüber weg und haben dann auch noch schlechte Laune (auch nicht gesund). Einem kleinen Kind würden wir vielleicht sagen, „komm, eine viertel Stunde, das macht Spaß und danach gibt’s Dein Lieblingsspiel“ – warum gehen wir mit uns selbst so hart um?

Wenn wir nicht aufhören zu Kämpfen, wie wollen wir in den Frieden kommen? Frieden in uns und Frieden mit unserer Umwelt. Hier fängt er an.

Immer wieder merke ich, dass „Annehmen was ist“ das Wichtigste ist, auf dem Weg zu innerem und äußeren Frieden.

 

Auch in der FAZ zum Thema Kampf: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/umgang-mit-krebskranken-die-falsche-rhetorik-der-angehoerigen-15266490.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

 

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