Freundschaft? Freundschaft!

Das mit der Freundschaft ist ja schon so eine Sache. Klingt so schön „ich bin immer für meine Freunde da“ oder „für meine Freunde tu ich alles“ und daraus wird dann leider oft ein „die Welt ist undankbar“ und „warum werde ich immer nur ausgenutzt?“.

Ich weiß ja, dass sich die Freundin schwer tut damit, um Hilfe zu bitten, muss sie auch gar nicht – eine gute Freundin sieht doch, dass sie Hilfe braucht. Aha? So ist das? Und wenn ich ihr dann schon alles abnehme, dann soll sie gefälligst auch dankbar sein und immer für mich Zeit haben! Und wenn sie nicht genauso ungefragt mir alles Unangenehme abnimmt, dann nutzt sie mich nur aus. Oder zumindest sollte sie mir immer wieder sagen, was für ein toller Mensch ich bin, weil ich das alles für sie mache. Keinesfalls darf sie sagen „ich habe Dich nicht darum gebeten“.

Ungebetene Unterstützung macht den anderen klein und bedürftig und bringt ihn ungewollt in die Verpflichtung. Das möchte ich meinen Freunden doch nicht antun. Bei übergriffiger Hilfe steht immer das eigene Bedürfnis über dem des Anderen. Wie die Mutter, die ungefragt die Wohnung des erwachsenen Sohnes aufräumt! Und dann schimpft der auch noch, dieser undankbare Bengel! Kinder sind einfach undankbar!

Bedeutet Freundschaft nicht auch, dem anderen was zuzutrauen? Sie / ihn an ihren / seinen Aufgaben wachsen zu lassen. Ihm oder ihr das Erfolgserlebnis zu gönnen, wenn was Unangenehmes, Lästiges und Schwieriges gemeistert ist. Wenn ich als Freundin darauf vertrauen kann, dass meine Freundin oder mein Freund sich nicht scheut, um Hilfe zu bitten, bleibe ich zurückhaltend und greife nicht ungefragt ein (auch wenn ich mich schon frage, wie man sich so anstellen kann, aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen…. 😉). Umgekehrt bitte ich am liebsten Freunde um Hilfe, von denen ich weiß, dass sie auch „nein“ sagen können, wenn es sie selbst gerade überfordert.

Und wenn man weit genug dahinter schaut, dann ist es das Bedürfnis nach Liebe. Wir tun so viel, weil wir bitte geliebt werden wollen. Wenn wir uns selbst lieben und annehmen und unsere eigenen Bedürfnisse respektieren, dann brauchen wir uns nicht mehr für andere aufzureiben, sondern sind in dem Maß für andere da, wie uns und ihnen gut tut.

 

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