Ja zu sich selbst sagen

Ja sagen zum Leben, das wird für mich immer wieder klar, bedeutet annehmen und akzeptieren was ist. Bei anderen und vor allem auch bei mir selbst. Das bedeutet, auch die eigenen „Schwächen“ so zu akzeptieren, wie sie sind. Zu sehen, dass ich ok bin, so wie ich bin – mit allem was war und was ist und alles hat seine Berechtigung.

Das fällt gar nicht so leicht in einer Zeit wo uns die Medien von allen Seiten vermitteln, dass wir eben nicht in Ordnung sind. Wir sollen eine Diät machen, unsere Muskeln trainieren, uns ein bisschen Botox in die Stirn spritzen, unbedingt aufhören zu Rauchen, möglichst kein Fleisch essen, taff sein, Karriere machen und nach einem harten Arbeitstag (hart arbeiten gehört unbedingt dazu) abends noch sexy für den Partner sein und den Tag mindestens mit einem Detox-Smoothie beginnen, die Haare färben und Pickel oder Altersflecken übermalen. Und wir dürfen keinesfalls alt werden – sagt zumindest die „Anti-Aging“-Industrie (aber mal ehrlich, was wäre die Alternative? Selbstmord mit 50?).

Da fällt es schon schwer, den Teil in uns anzunehmen, der so gar nichts mit den „Idealen“ zu tun hat. Wenn man schon ein Bäuchlein und ein paar Falten hat, Schokolade liebt und bei Regen lieber einen netten Film im Fernsehen sieht, als in die Mucki-Bude zu gehen, wenn das Wiener Schnitzel mal wieder über die Salatplatte ohne Ei gesiegt hat – dann sollte man sich wenigstens ordnungsgemäß dafür schimpfen und hassen.

Würden wir den Menschen, den wir am meisten lieben auf dieser Welt, dafür hassen, dass sich die ersten Fältchen in den Augenwinkeln zeigen und er lieber am Strand liegt, als am Strand zu joggen, dass er nichts so toll findet, wie Kaffee und Kuchen, würden wir ihm Salat vorsetzen, wenn er sein Steak doch über alles liebt? Nein?! Da ist ein liebevolles und verständnisvolles Lächeln und die Gewissheit, Ich liebe Dich genau so, wie Du bist und Du bist richtig, genau so, wie Du bist – egal ob da Fältchen sind oder nicht, ein paar Pfund mehr oder weniger, graue Haare oder gar keine und selbst Fleisch essen (ganz schlimm) und Rauchen schmälern die Liebe nicht. Wie schön wäre es, wenn wir genau diese verständnisvolle und liebevolle Haltung uns selbst gegenüber haben könnten?

Wenn wir uns nicht annehmen und lieben wie wir sind, ändert das auch nichts. Wir sind jetzt wie wir sind. Da können wir uns hassen, mit den Zähnen knirschen, stampfen und schreien, wir sind so wie wir sind. Wenn ich in Rosenheim bin, dann hilft’s mir nicht, das zu verleugnen oder nicht zu akzeptieren, weil ich gern in New York wäre. Auch Wut und Selbstkritik werden mir nicht helfen. Ich muss die Tatsache, dass ich jetzt in Rosenheim bin erkennen und annehmen, damit ich mich auf den Weg nach New York machen kann.

Erkennen und Annehmen, das man genau da ist, wo man ist, weil das bisherige Leben uns eben genau da hin gebracht hat, ist die Grundvoraussetzung dafür, dass man sich zu einem neuen Ziel auf den Weg macht. Ansonsten wird man getrieben und stellt irgendwann fest, dass man nicht weiß, wo man steht und genau da eigentlich nicht hin wollte. Und selbst das kann man dann annehmen und anerkennen. Selbst die Tatsache, dass es nicht immer leicht ist, mit sich selbst liebevoll zu sein, können wir annehmen und akzeptieren – dann wird’s ein bisschen leichter 😉

Und wenn wir alle Teil eines Großen Ganzen sind, wie könnte dann jemand verkehrt sein?

 

 

Bild: fotolia.com

 

 

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