Das kann ich nicht!

Ist das so? Kann ich das wirklich, wirklich nicht? Gestern habe ich wieder eine Geschichte gelesen (ich liebe Geschichten, wie alle Hypnotherapeuten):

In dieser Geschichte ging es um einen Jungen, der ein absoluter Zirkus-Fan war. Und natürlich haben ihn im Zirkus die Tiere am allermeisten fasziniert. Er hat sich, wenn ein Zirkus in der Stadt war, so oft wie es ihm möglich war, bei den Ställen herumgedrückt und die Nähe zu den Tieren gesucht. Ein Elefant hatte es ihm ganz besonders angetan. Dieser Elefant war an einem Bein mit einer mächtigen Kette an einen Holzpflock gebunden. Der Holzpflock war aber weder besonders dick, noch sehr tief in der Erde verankert. Für den Jungen war es völlig unverständlich, dass dieser Holzpflock ein Tier, das die Kraft hatte, ganze Bäume samt Wurzeln auszureißen, an der Flucht hindern sollte…..

Er fragte bei den Erwachsenen nach – denn die waren schließlich in seiner Welt allwissend – und bekam zur Antwort, dass der Elefant wohl dressiert sei.

Darüber dachte der Junge nach. Warum braucht er dann den Holzpflock? Man kann ihn doch gleich so dressieren, dass er da bleibt? Mit der Zeit vergaß er das Rätsel und erinnerte sich nur wieder daran, wenn er mit Menschen zusammen traf, die sich einmal dieselbe Frage gestellt hatten. Zum Glück fand sich irgendwann jemand, der die Antwort kannte: „Der Elefant läuft nicht weg, weil er schon als Baby-Elefant angepflockt war“.

Der Junge – mittlerweile fast erwachsen – stellte sich das vor: Ein kleiner Elefant, gerade auf der Welt und ein Bein ist an einen Pflock gekettet, um seine Bewegungsfreiheit einzuschränken. Natürlich versucht er den ganzen Tag immer und immer wieder, seine Grenzen zu erweitern, aber es geht nicht. Vermutlich ist er völlig erschöpft, schläft ein und nimmt am nächsten Tag den Kampf wieder auf. Bis er sich eines Tages – und das ist für seine Zukunft ein verhängnisvoller Tag – in sein Schicksal fügt und seine Ohnmacht akzeptiert.

Dieser riesige, mächtig starke Elefant flieht nicht aus dem Zirkus, weil er denkt, dass er es nicht kann. Die Erfahrungen aus der Kinderzeit haben sich fest in sein Gedächtnis gebrannt und er hat seine Ohnmacht nie wieder infrage gestellt.

Ein bisschen geht es uns wohl allen so, wie diesem Elefanten. Wir alle haben Glaubenssätze, die wir schon ganz lange nicht mehr auf den Prüfstand gestellt haben. Unser Verhalten ist geprägt von Erinnerungen an die Kinder, die wir heute ja gar nicht mehr sind und die so manches tatsächlich nicht konnten.

Der einzige Weg, herauszufinden ob wir etwas können, ist, es zu probieren.

 

 

Gelesen habe ich die Geschichte übrigens in „Komm ich erzähl Dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay – ein wirklich liebenswertes Buch.

 

 

 

Bild: fotolia.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s